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Potsdamlife; Ausgabe Sommer 2017

Farbenfröhlich und potsdambezogen
Helga Krieger gestaltet einzigartige Potsdam-Collagen

Helga Krieger leuchtet, ein rotes Sommerkleid, rotes Armband und die passende Brille lassen deutlich ihre Lieblingsfarbe erkennen. Rot war schon immer ihre Lieblingsfarbe. Es begann mit ihrer ersten roten, großen Brille, erinnert sie sich. Fröhlich und voller warmer Energie ist sie, wenn sie erzählt, von ihren Bildern und ihrem Leben. Die Bilder, die sie herstellt, fallen auf, es sind Collagen, Liebeserklärungen an die Stadt, in der sie geboren wurde, aufwuchs und von der sie nie weggehen würde. Hier in Potsdam lebte ihre Familie, ihr Großvater, Architekt bei Hofe mit Dienstwohnung an der Friedenskirche und ihre Großmutter, die mit ihr durch Sanssouci ging und Geschichten erzählte, von der die Enkelin, die heute selbst Großmutter ist, bis heute nicht weiß, ob sie erfunden waren oder nicht.
Helga Krieger hat viel erlebt, viel gelernt und kann sich jetzt auf das konzentrieren, was ihr Spaß macht. Zunächst lernte sie Diesellokschlosser, anschließend studierte sie Maschinenbau. „Mein Vater war Ingenieur“, erklärt sie den eher ungewöhnlichen Berufswunsch. Doch sie stellte fest, dass sie vielleicht doch lieber Goldschmiedin geworden wäre, was Feineres, weniger grob und weniger Schmutz. Sie lernte weiter und machte ihren Fachingenieur für Arbeitsschutz, wurde zuständig für arbeitstechnische Sicherheit. Sie hat nach dem Mauerfall sogar die Gruppe in Brandenburg im Verein deutscher Sicherheitsingenieure bis 2008 geleitet.

Doch sie hatte offenbar schon immer zwei Seiten in sich, deshalb besuchte sie nach dem Studium auch den „Zirkel für künstlerische Textilgestaltung“, in dem alle Frauen eine qualifizierte Ausbildung hatten. Auch Helga Krieger besuchte dann eine Textilgestaltungsschule. Hier fertigte sie unter anderem einen kirgisischen Brautmantel, der heute im Museum in Berlin ausgestellt ist. Sie nähte, strickte und fertigte Kleidung für Modegeschäfte zu DDR-Zeiten. Die war sehr begehrt, war sie doch eine Alternative zu den anderen Klamotten, die es damals zu kaufen gab. Sie überlegte sogar, sich selbstständig zu machen. Doch das Künstlerische blieb am Ende Hobby. Das liegt auch daran, dass sie künstlerische Freiheit für die Gestaltung braucht: „Auf Befehl kann ich gar nichts machen, da bin ich einfach nicht kreativ.“

Mit der Malerei begann sie mit 50 Jahren

„Mit der Textilgestaltung fing es an“, lächelt sie. Die Malerei kam erst später. Zum 50. Geburtstag wünschte sie sich eine Staffelei. Mitte 50 bekam sie Brustkrebs und malte wie verrückt. Alle drei Wochen musste sie zur Chemo, das Malen war für sie Therapie. Die Krankheit verschwand, das Malen blieb. Ihre erste Ausstellung war im Jan Bouman Haus: „Tulpenträume“. Es hatte sie gepackt, sie besuchte Malkurse, in Deutschland, Österreich und Italien. Bis heute ist sie dafür regelmäßig unterwegs. Erst kürzlich wieder. Die typischen Krieger-Bilder, die sie mit „Emfimani“ signiert (den Anfangsbuchstaben ihrer vier Enkel), haben ihren Ursprung in den 70er Jahren. Sie machte damals Übungen, Gestaltungsübungen in Form von Collagen, hell-dunkel, Strukturen, Farben. Ihre Collagen heute sind Liebeserklärungen an Potsdam. „Es sind fast immer Potsdam-Motive“, sagt sie. Allerdings hat sie auch schon New York, Lissabon und London als Collagen verarbeitet. Doch es ist Potsdam, das sie nicht loslässt. Vor allem das Potsdam Friedrichs II.. „Meine Bilder tragen heute den Titel ‚jeder nach Seiner Facon’“, so Helga Krieger und erklärt: „Friedrich war uns weit voraus, er hat mit dem Satz das Beste geschrieben, was man überhaupt schreiben kann“, ist sie überzeugt. Ihre Collagen sind Zufallsprodukte, zusammen gesetzt aus Fundstücken, doch mit Überlegung sinnhaft angeordnet. Sie beobachtet aufmerksam, sieht Bilder in Zeitungen, alte Postkarten oder Gegenstände wie eine Feder. Diese sammelt sie, hebt sie auf, lagert sie in ihrem Atelier, einer umgebauten Garage. Dann führt sie „Selbstgespräche“ mit sich, mit den Gegenständen. Über mehrere Wochen entsteht so ein Bild, das in Spachteltechnik mehrschichtig aufgetragen wird. Noten, Schriftverkehr, Postkarten aus Nachlässen, alles, was Potsdams Charakter widerspiegelt, findet Verwendung. Ein Bild von einem Pfosten des Stadtkanals animierte sie dazu, Rainer Globisch ein Denkmal zu setzen. „Ich habe schon immer die Menschen bewundert, die sich für Potsdams Schönheit und Einmaligkeit engagieren“, sagt sie, auch Wieland Eschenburg Gründer des Pfingstbergvereins und heutiger Kommunikationsvorstand der Garnisonkirchen-Stiftung gehört dazu.

Individuelle Motive und Formate

So wie die Motive sind auch die Formate sehr individuell. Vom länglichen, schmalen Bild bis zum kleinen runden tellerförmigen Werk ist alles vertreten, was irgendwie machbar ist. Ihre Werke verkauft sie auch. Es ist jedoch nicht ihre Motivation. „Es macht mir Spaß, das macht man dann auch nicht hinterm Schrank“, erklärt sie. Was soviel bedeutet, dass sie ihre Bilder, ihre Collagen ausstellt. Mit dem Fritz Hotel in Babelsberg kooperiert sie. Für das Hotel ist es ein Gewinn, hängen so doch immer wieder neue und interessante Bilder in den Hotelzimmern, Potsdambilder. Und so hat auch der Tourismusverein inzwischen Tassen und Taschen mit Helga-Krieger-Kunst oder „Emfimani“ aufgelegt. Die sollen nun noch stärker vermarktet werden.
Helga Krieger hat vor ein bis zwei Jahren mit Porzellanmalerei begonnen. Sie verwendet auch hierfür teilweise altes Porzellan, sogar Blumenkästen hat sie schon gestaltet. Ein intensives Hobby, das sie nun, nachdem sie in den Ruhestand gegangen ist, voll ausfüllt. Ihr Ausgleich hierbei bilden ihre Familie und Freunde. Sie war schon immer ein Familienmensch, pflegte ihre Freundschaften. Sie verreist auch mit Freunden oder mit allen vier Enkelkindern. Sie reist gern, doch nie zu lange, weil sonst das Heimweh zu stark wird. „Es ist immer schön, wieder nach Brandenburg, nach Potsdam zurückzukommen“, sagt die fröhliche Potsdamerin, die getreu ihrem Motto „ganz im Jetzt und Heute lebt.“


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